Geschwister-Scholl-Preis 2016 für das Buch „Codename Caesar“ von Garance Le Caisne

München, 7. Oktober 2016

Für ihr Buch "Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie" (Verlag C.H. Beck) wird Garance Le Caisne mit dem 37. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

In der Jury-Begründung heißt es: „Das Buch Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie von Garance Le Caisne erzählt die Geschichte eines syrischen Militärfotografen, eben jenes anonymen Caesar, der Zehntausende Fotos von den Ermordeten aus den Kerkern des Assad-Regimes kopiert und außer Landes geschmuggelt hat. Zwei Jahre lang hat er täglich sein Leben riskiert, inzwischen lebt er an einem unbekannten Ort in Nordeuropa. Die französische Journalistin Garance Le Caisne hat nach Monaten sein Vertrauen gewonnen – und seine Geschichte aufgeschrieben. Das Buch erspart dem Leser die Bilder der verhungerten, verstümmelten, verbrannten Leichen und ist dennoch Zeugnis eines überragenden, mehr noch: sich seiner selbst kaum bewussten Mutes ebenso wie eine Dokumentation der bürokratischen Obsession eines verbrecherischen Regimes. Denn während die Terroristen des so genannten Islamischen Staates mit demonstrativer Öffentlichkeit morden, verbirgt das Assad-Regime seine Taten.
Der Geschwister-Scholl-Preis zeichnet Werke aus, die ‘dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse geben‘. Codename Caesar tut dies auf überragende Weise, unter höchstem persönlichem Risiko und mit möglicherweise völkerrechtlichen Konsequenzen für die Täter. Menschen wie Caesar und wie die Journalistin Garance Le Caisne, die ihm eine Stimme gibt, sind unverzichtbar, wenn man die inneren Mechanismen einer Diktatur verstehen will und wenn den Opfern eines Tages Genugtuung verschafft werden soll.“

Garance Le Caisne ist freie Journalistin und schreibt für Le Journal du Dimanche und L’Obs. Seit 1990 berichtet sie über den Nahen Osten. Nachdem sie mehrfach in das vom Bürgerkrieg zerrüttete Syrien gereist ist, hat sie sich auf die Suche nach Caesar gemacht. Mehr als ein halbes Jahr dauerte es, bis sie ihn fand und sein Vertrauen gewann.

Der Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München vergeben. Die Preisverleihung findet am 21. November 2016 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität statt. Am 22. November 2016 ist eine öffentliche Lesung in der Buchhandlung Lehmkuhl geplant.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. und die Landeshauptstadt München vergeben 2016 den mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis zum 37. Mal. Sinn und Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Zu den Preisträgern zählten in den letzten Jahren unter anderem Achille Mbembe, Glenn Greenwald, Otto Dov Kulka, Andreas Huckele (Pseudonym Jürgen Dehmers), Liao Yiwu, Joachim Gauck, Roberto Saviano, David Grossman und Anna Politkovskaja.

Der Fachjury unter dem Vorsitz von Michael Then, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e. V., und Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers gehörten 2016 an: Jobst-Ulrich Brand (Focus), Dr. Carolin Emcke (Publizistin), Dr. Ina Hartwig (Publizistin), Dr. Lorenz Jäger (FAZ), Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU / Soziologie), Sonja Zekri (Süddeutsche Zeitung) und Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk). Als Vertreter des Börsenvereins Bayern gehören der Jury außerdem Ulrich Dombrowsky (Buchhändler, Regensburg), Michael Krüger (Schriftsteller und Publizist) und Thomas Rathnow (DVA) an, von Seiten des Stadtrats Klaus Peter Rupp (SPD), Marian Offman (CSU) und Dr. Florian Roth (Bündnis 90 / Die Grünen / Rosa Liste). Beratende Mitglieder waren neben Dr. Hildegard Kronawitter (Weiße Rose Stiftung e. V.) die Stadträtinnen Ulrike Grimm (CSU) und Dr. Constanze Söllner-Schaar (SPD).

Informationen zur Preisträgerin 2016 und das gesamte Archiv des Geschwister-Scholl-Preises finden Sie auf der Internetseite www.geschwister-scholl-preis.de

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