“It was worth it a thousand percent...“

Gespräch mit dem Geschwister-Scholl-Preisträger 2014

Eine ehrliche und ernstgemeinte Antwort, die Glenn Greenwald einem Studenten auf die Frage gab, ob er es je bereute, zusammen mit Edward Snowden und Laura Poitras die geheimen Dokumente der National Security Agency (NSA) veröffentlicht zu haben.

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BN_GSP_2014_Studierendengespräch Greenwald

Jedes Jahr bekommen die Studenten des Geschwister-Scholl-Institutes für Politikwissenschaften die Möglichkeit, in einem persönlichen Gespräch mit dem Gewinner des Geschwister-Scholl-Preises über sein Werk zu diskutieren. Als bekannt wurde, dass dieses Jahr Glenn Greenwald der Preisträger ist, war das Interesse natürlich groß. In seinem Buch „Die globale Überwachung“ beschäftigt sich Greenwald nämlich mit einem Thema, das nicht nur seit 18 Monaten fast täglich in der internationalen Presse präsent ist, sondern auch gerade für unsere Generation, die Generation Facebook, Twitter, What`s app und Co. sehr wichtig ist.

Vier Studenten hatten schon einen Tag vor dem Gespräch in der großen Aula der LMU die einmalige Möglichkeit der Preisverleihung am 1. Dezember beizuwohnen. Nach Reden von Dieter Reiter und Michael Lemling sowie einer Laudatio des früheren Preisträgers Prof. Dr. Heribert Prantl wurde Greenwald der Preis verliehen. In seiner Dankesrede betonte er, wie wichtig es sei, dass ganz normale Menschen wie Sophie und Hans Scholl, oder wie in seinem Fall Edward Snowden Mut für die Gesellschaft zeigen. Nach der Preisverleihung gab es einen kleinen Empfang in der Eingangshalle der LMU, der Raum für Diskussionen über das Thema nationale und internationale Sicherheitspolitik bot. Nach diesem interessanten Abend, waren die Studierenden erst recht neugieriger auf das am nächsten Tag folgende Gespräch.

Etwa 20 Studenten der Politikwissenschaft aus allen Semestern, zwei Vertreterinnen des Börsenvereins sowie ein Journalist des Uni-Radiosenders M94,5 fanden sich am nächsten Tag im Senatssaal der LMU ein, um mit Glenn Greenwald über sein Buch zu diskutieren. Jeder Studierende hatte bereits eine Frage vorbereitet. Als Greenwald zur Tür hereinkam, fragte er zwar erst einmal etwas verwirrt, was genau für die nächsten eineinhalb Stunden geplant sei, freute sich dann jedoch umso mehr zu hören, dass er in seinen zwei Tagen Aufenthalt in München auch einmal nicht nur Fragen von Pressevertretern beantworten kann.

Nach einer kurzen Begrüßung stieg man sofort in das Gespräch ein. In den nächsten knapp eineinhalb Stunden nahm sich Greenwald Zeit und beantwortet jede Frage der Studierenden. Die Studenten fragten ihn beispielsweise zu den Veränderungen die sich seit den ersten Veröffentlichungen in der digitalen Welt ergeben haben, worauf er betonte, dass natürlich die größte Veränderung beim Individuum beginnt.
Doch auch persönliche Fragen beantwortete Greenwald gerne.
Gefragt nach den psychischen Belastungen während der Zeit der Veröffentlichungen und ob er so etwas wie Paranoia empfunden habe, kam er auf den Einbruch in seinem Haus zu sprechen. Während Greenwald sich mit Edward Snowden in Hongkong traf wurde in sein Haus eingebrochen, was sehr wohl eine große Belastung für ihn darstellte.
Eine der wohl schönsten und interessantesten Äußerungen Greenwalds war die Beschreibung seiner Beziehung zu Edward Snowden. Natürlich sei er eine Quelle für ihn, aber viel mehr als das, ein Freund, um den er sich Sorgen macht und mit dem er auch täglich in Kontakt ist.

Greenwalds Ansicht bezüglich des Journalismus ist nicht eine von Beachtung bestimmter Regeln, sondern eine ehrliche, leidenschaftliche. Journalismus soll für die Gesellschaft sein und ein Gegenpol zu der Macht des Staates. Die Zuhörer hatten immer das Gefühl, dass es sich bei diesem Statement tatsächlich um die grundsätzliche Einstellung Greenwalds zum Journalismus handelt. Wie im Flug verging die Zeit, schnell wurden noch ein paar Fotos gemacht und ein paar Bücher signiert, dann musste Glenn Greenwald auch schon wieder weiter. Nachdem er gegangen war blieben die Studenten noch für einige Minuten im Raum und diskutierten über das Gespräch und waren sich alle einig, dass es in jedem Fall ein sehr lohnender Vormittag war, von dem sie viel mitgenommen haben.

Pia Weber, Geschwister-Scholl-Institut

"Ich bin ich"

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Otto Dov Kulka trifft Studierende des Geschwister-Scholl-Insituts


Am Tag nach der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an Otto Dov Kulka hatten Studierende des Geschwister-Scholl-Instituts die Gelegenheit mit dem Preisträger zu sprechen. Die Teilnehmerin Miriam Schirmer berichtet:

"Im Anschluss an die Verleihung des diesjährigen Geschwister-Scholl-Preises hatten 12 Studierende des Geschwister-Scholl-Instituts die Gelegenheit, mit dem Preisträger Otto Dov Kulka zu diskutieren und Fragen zu stellen.

Vor der Diskussionsrunde hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fragen überlegt, die sie Otto Dov Kulka dann in einer gemütlichen Gesprächs-Atmosphäre stellen konnten. Dabei ging es unter anderem über Kulkas Erfahrungen aus seiner Zeit in Auschwitz, wo er zwei Jahre seiner Kindheit verbracht hat. Kulka erzählte von Kultur und humanitären Werten in Auschwitz, was für viele Zuhörende schon einen Widerspruch an sich darstellt. Überraschenderweise betonte Kulka dennoch, dass ein Menschenleben auch in Auschwitz möglich sei. Ihm selbst wurde ein Teil seiner humanistischen Werte dort näher gebracht.

Besonders interessant war für die Studierenden auch Kulkas Selbstbild: Er beschreibt sich selbst nicht als typisch repräsentativen Überlebenden – er versuche die Zeit zu verstehen, nicht zu verurteilen. Auf die Frage, ob er Überlebender sei, würde er antworten "Ich bin ich".

Über persönliche Eindrücke und Ereignisse hinaus, ging es im Gespräch auch um Kulkas wissenschaftliche Arbeit und seine professionelle Einschätzung zu Forschungsfragen, wie dem Historiker-Streit. Auch auf Fragen zu aktuellen politischen Entwicklungen hatte Kulka eine Antwort parat.

Die Studierenden konnten bei dem Gespräch viele neue Einblicke aus der Sicht eines Auschwitz-Überlebenden gewinnen. Beeindruckend war, dass dabei nicht nur auf persönliche Erfahrungen im Konzentrationslager eingegangen wurde, sondern über eine große Bandbreite von Themen – von Kulkas wissenschaftlicher Arbeit bis zu aktuellen politischen Debatten – diskutiert wurde."

„China ist wie ein Müllhaufen.“

Liao Yiwu trifft Studierende des Geschwister-Scholl-Insituts

So drastische Worte zur Beschreibung der Situation in seinem Heimatland hatte wohl niemand von dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu erwartet – ihre fesselnde Wirkung war deutlich sichtbar auf den Gesichtern der anwesenden Studierenden des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.


"In Vorbereitung auf das im kleinen Kreis stattfindende Treffen mit dem Geschwister-Scholl-Preisträger 2011 hatte sich jeder der 13 Teilnehmer eine für ihn besonders interessante Frage überlegt. Die vertrauliche Atmosphäre ermöglichte ein offenes und persönliches Gespräch, welches den Anwesenden alternative Einblicke in die Volksrepublik China und den darin tobenden Kampf weniger Künstler für die Freiheit vieler gewährte.

„Wichtiger als Schönheit in der Literatur ist deren Authentizität“, meint Liao Yiwu und ergänzte seine Auffassung der Aufgabe von Kunst mit den Worten: „Das System kämpft gegen die Erinnerung, deshalb müssen Literatur und Musik die Erinnerungen zusammenflicken, sie müssen eine Stimme für die Stimmlosen sein.“

Den Menschen in Deutschland und insbesondere den anwesenden Studierenden gab der Preisträger dabei eine klare Aufforderung mit auf den Weg: Sich nicht von der offiziellen Propagandamaschinerie täuschen zu lassen, selbst nach China zu reisen, um das Land wirklich kennen zu lernen und schließlich nicht zurückzuweichen im Kampf für Freiheit und Menschenrechte. Beeindruckt von der geistigen Größe Liao Yiwus, der selbst jahrelang in verschiedenen Gefängnissen missbraucht und gefoltert worden war, brannten sich seine Worte ins Gedächtnis ein: „Wenn Du einen Wolf siehst, dann blick ihm in die Augen und bleib stehen.“

Tobias Müller, Geschwister-Scholl-Institut 

"Man hat immer eine Entscheidung."

Geschwister-Scholl-Preis 2010© Kerstin Dahnert/www.kontrast-reich.com

Joachim Gauck trifft Studierende des Geschwister-Scholl-Insituts


"Man hat immer eine Entscheidung." Zu welchem Anlass könnten diese Worte besser passen als zur Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an den Bürgerrechtler Joachim Gauck. Er lobt Hans und Sophie Scholl als "Ermutiger, die alles riskieren für ihre Wahrheit."

15 Studierende des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft konnten wegen des Schneefalls zwar nicht wie geplant im direkten Zusammentreffen, aber zumindest auf der Pressekonferenz ihre interessanten Fragen an den Preisträger stellen. In dem Gespräch ermutigte Gauck die Studierenden, Verantwortung für ihr Lebensumfeld zu übernehmen, als Studierende für die Hochschule, als Bürger für den Staat, als Menschen für ihre Freiheit. Sogar auf die Frage, wie man den glücklich würde, wusste Gauck eine Antwort: "Es gibt eine Instanz in uns, die uns belohnt, wenn wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten gehen, wenn wir für etwas leben – für andere Menschen, für die Kunst, für die Gesellschaft oder für Gott."

Tobias Müller, Geschwister-Scholl-Institut

 

"Was fühlt ihr, wenn ihr meine Bücher lest?"

Geschwister-Scholl-Preis 2009

Roberto Saviano trifft Studierende des Geschwister-Scholl-Insituts


Zum 30. Geschwister-Scholl-Preis, der am 16. November 2009 an Roberto Saviano für sein Buch "Das Gegenteil von Tod" verliehen wurde, gab es im Vorfeld der Verleihung erstmals ein Gespräch zwischen Preisträger und Studierenden des Geschwister-Scholl-Instituts für Poltikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Zwei Teilnehmerinnen berichten hier von ihren Eindrücken:

"15 Studierende des Geschwister-Scholl-Institutes für Politikwissenschaft der LMU München hatten die einmalige Gelegenheit, Roberto Saviano in einer Diskussionsrunde kennenzulernen. Organisiert wurde das Treffen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Fachschaft Politik des Geschwister-Scholl-Instituts. 

Obwohl das Gespräch nur mit einer Dolmetscherin und dem obligatorischen Personenschutz stattfinden konnte, entstand im Senatssaal der LMU sehr schnell eine unkomplizierte, persönliche Atmosphäre. Nicht nur die Teilnehmer stellten Fragen, sondern auch Saviano war an den Meinungen der Studierenden sehr interessiert. So entwickelte sich innerhalb von kürzester Zeit eine rege Diskussion.

Die Stunde, die für das Gespräch angesetzt war, ging schneller vorbei, als es den Anwesenden lieb war – die Fragen hätten noch für einen ganzen Nachmittag ausgereicht."

Eva Blomberg und Andrea Forster, Geschwister-Scholl-Institut

 

Weitere Informationen zum Preis finden Sie unter www.geschwister-scholl-preis.de