„China ist wie ein Müllhaufen.“

Gespräch mit dem Geschwister-Scholl-Preisträger

Im Vorfeld der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an Liao Yiwu hatten Studenten des Geschwister-Scholl-Instituts die Gelgenheit, dem Preisträger Fragen zu stellen. Der Teilnehmer Tobias Müller berichtet:

So drastische Worte zur Beschreibung der Situation in seinem Heimatland hatte wohl niemand von dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu erwartet – ihre fesselnde Wirkung war deutlich sichtbar auf den Gesichtern der anwesenden Studierenden des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In Vorbereitung auf das im kleinen Kreis stattfindende Treffen mit dem Geschwister-Scholl-Preisträger 2011 hatte sich jeder der 13 Teilnehmer eine für ihn besonders interessante Frage überlegt. Die vertrauliche Atmosphäre ermöglichte ein offenes und persönliches Gespräch, welches den Anwesenden alternative Einblicke in die Volksrepublik China und den darin tobenden Kampf weniger Künstler für die Freiheit vieler gewährte.

„Wichtiger als Schönheit in der Literatur ist deren Authentizität“, meint Liao Yiwu und ergänzte seine Auffassung der Aufgabe von Kunst mit den Worten: „Das System kämpft gegen die Erinnerung, deshalb müssen Literatur und Musik die Erinnerungen zusammenflicken, sie müssen eine Stimme für die Stimmlosen sein.“

Den Menschen in Deutschland und insbesondere den anwesenden Studierenden gab der Preisträger dabei eine klare Aufforderung mit auf den Weg: Sich nicht von der offiziellen Propagandamaschinerie täuschen zu lassen, selbst nach China zu reisen, um das Land wirklich kennen zu lernen und schließlich nicht zurückzuweichen im Kampf für Freiheit und Menschenrechte. Beeindruckt von der geistigen Größe Liao Yiwus, der selbst jahrelang in verschiedenen Gefängnissen missbraucht und gefoltert worden war, brannten sich seine Worte ins Gedächtnis ein: „Wenn Du einen Wolf siehst, dann blick ihm in die Augen und bleib stehen.“

 


Geschwister-Scholl-Preis 2010© Kerstin Dahnert/www.kontrast-reich.com

 

"Man hat immer eine Entscheidung."

Joachim Gauck trifft Studierende
des Geschwister-Scholl-Insituts

 

"Man hat immer eine Entscheidung." Zu welchem Anlass könnten diese Worte besser passen als zur Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an den Bürgerrechtler Joachim Gauck. Er lobt Hans und Sophie Scholl als "Ermutiger, die alles riskieren für ihre Wahrheit."

15 Studierende des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft konnten wegen des Schneefalls zwar nicht wie geplant im direkten Zusammentreffen, aber zumindest auf der Pressekonferenz ihre interessanten Fragen an den Preisträger stellen. In dem Gespräch ermutigte Gauck die Studierenden, Verantwortung für ihr Lebensumfeld zu übernehmen, als Studierende für die Hochschule, als Bürger für den Staat, als Menschen für ihre Freiheit. Sogar auf die Frage, wie man den glücklich würde, wusste Gauck eine Antwort: "Es gibt eine Instanz in uns, die uns belohnt, wenn wir an die Grenzen unserer Möglichkeiten gehen, wenn wir für etwas leben – für andere Menschen, für die Kunst, für die Gesellschaft oder für Gott."

Tobias Müller, Geschwister-Scholl-Institut

 



"Was fühlt ihr, wenn ihr meine Bücher lest?"

Roberto Saviano trifft Studierende des Geschwister-Scholl-Insituts

 

Geschwister-Scholl-Preis 2009

Zum 30. Geschwister-Scholl-Preis, der am 16. November 2009 an Roberto Saviano für sein Buch "Das Gegenteil von Tod" verliehen wurde, gab es im Vorfeld der Verleihung erstmals ein Gespräch zwischen Preisträger und Studierenden des Geschwister-Scholl-Instituts für Poltikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität. Zwei Teilnehmerinnen berichten hier von ihren Eindrücken:


"15 Studierende des Geschwister-Scholl-Institutes für Politikwissenschaft der LMU München hatten die einmalige Gelegenheit, Roberto Saviano in einer Diskussionsrunde kennenzulernen. Organisiert wurde das Treffen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Fachschaft Politik des Geschwister-Scholl-Instituts. 

Obwohl das Gespräch nur mit einer Dolmetscherin und dem obligatorischen Personenschutz stattfinden konnte, entstand im Senatssaal der LMU sehr schnell eine unkomplizierte, persönliche Atmosphäre. Nicht nur die Teilnehmer stellten Fragen, sondern auch Saviano war an den Meinungen der Studierenden sehr interessiert. So entwickelte sich innerhalb von kürzester Zeit eine rege Diskussion.

Die Stunde, die für das Gespräch angesetzt war, ging schneller vorbei, als es den Anwesenden lieb war – die Fragen hätten noch für einen ganzen Nachmittag ausgereicht."

Eva Blomberg und Andrea Forster, Geschwister-Scholl-Institut

 

Weitere Informationen zum Preis finden Sie unter www.geschwister-scholl-preis.de