"Studium rund ums Buch" auf der Leipziger Buchmesse

- Die eigenen Erfahrungen weitergeben

Carmen Scharf hat nach den Klausuren im Frühjahr keine Semesterferien, obwohl sie mitten in ihrem Master Buchwissenschaft: Verlagspraxis an der LMU steckt. Weg fährt sie trotzdem – nämlich zur Leipziger Buchmesse. Gemeinsam mit ihren KommilitonInnen präsentiert sie dort die buchbranchenaffinen Studiengänge, die die LMU anbietet. Für CLAUS hat sie sich Zeit genommen: Wie kommt dieses Engagement zustande und was passiert dann auf der Buchmesse?

BN_CarmenScharf_CLAUSMärz

CLAUS: Am Donnerstag startet die Leipziger Buchmesse, Frau Scharf. Sie werden auch dort sein, denn Sie leiten den Messekurs, den Sie an der LMU belegen. Erklären Sie uns das!
Carmen Scharf: Der Messekurs besteht aus einer Gruppe Studierenden, die ihren Studiengang im Frühjahr und im Herbst auf den Buchmessen präsentieren und dort Veranstaltungen organisieren.

CLAUS: Das heißt die LMU hat jetzt im März einen Stand auf der Leipziger Buchmesse?
CS: Nicht ganz. Wir haben einen Gemeinschaftsstand zusammen mit der HTWK Leipzig und den Universitäten Mainz, Erlangen und Stuttgart. Der Stand heißt „Studium rund ums Buch“ und dort werden die Studiengänge der Genannten versammelt und präsentiert. Die gehen natürlich alle in Richtung Verlag, Buchhandel, Herstellung, also Mediapublishing. Auf diesem Stand haben auch wir von der LMU eine eigene Ecke und stellen dort unsere Studiengänge im Speziellen vor, legen Flyer aus und so weiter. Natürlich ist der Stand im Herbst, in Frankfurt größer als in Leipzig, aber beides Mal ist das Prinzip das gleiche.

CLAUS: Und wer kommt zu diesem Stand? Ausschließlich Schulabgänger?
CS: Schüler, oder Abiturienten – einerseits. Aber andererseits auch diejenigen, die sich für die klassischen Ausbildungsberufe in der Branche interessieren. Die kommen bei uns in Halle 5 vorbei und interessieren sich, ob sie vielleicht nach der Ausbildung auch noch studieren könnten. Früher zum Beispiel war es so, dass man für den Buchwissenschaftsbachelor hier in München eine Ausbildung im Verlags- oder Buchhandelsbereich gemacht haben musste. Das ist jetzt zwar weggefallen, aber dennoch ist das ein beliebter Weg. Wie wir beraten, das stimmen wir aber natürlich auf denjenigen ab, der vor uns steht. Wer kommt und sagt „Hallo, ich bin Schüler“, bei dem fangen wir natürlich beim Bachelor an zu erklären und nicht beim Master. Und wir sind ehrlich. Es geht darum, die Wünsche und Ziele der Interessierten mit den Inhalten der Studiengänge abzugleichen. Wenn das nicht zusammen geht, sagen wir es auch offen.

CLAUS: Sie stehen also von Donnerstag bis Sonntag auf der Messe und erklären die Studiengänge?
CS: Nicht nur, denn alle Unis, die beim Stand mitmachen, haben auch Slots, in denen sie Veranstaltungen machen. Wir von der LMU machen dieses Jahr drei. Donnerstags haben wir eine, die heißt: „Drauf G´schissn“ und richtet sich am Vorbild der „fucked up nights“ aus, die es in Amerika gibt. Ziel ist, Projekte aus der Buchbranche zu beschreiben, die eben einfach schief gelaufen sind. Dazu haben wir interessante Sprecher eingeladen, die aus der Praxis berichten, zum Beispiel davon, was passiert, wenn der Papst in der Verschlagwortung mit dem „Tagebuch einer Nymphomanin“ zusammenkommt… Das soll unterhaltsam sein. Aber wir haben auch einen Coach da, der aufzeigen soll, was man aus diesen Misserfolgen lernen kann.
Am Freitag haben wir dann „Bookster bloggen“. Diese Veranstaltung hatten wir in Frankfurt schon. Bei ihr ging es darum, zu erklären, was genau einen guten Buchblog ausmacht oder wie man Reichweite generiert. Jetzt in Leipzig geht es um die juristische Sichtweise: Darf ich auf meinem Blog ein Cover abbilden? Wann muss ich das Copyright angeben? Darf ich Leseproben einbinden und so weiter. Das läuft alles sehr interaktiv, es wird Fragen aus dem Publikum geben, wir haben die Blogger Lea Kaib von Liberiarium und Philip Aschermann von Book Walk vor Ort und auch einen Anwalt natürlich. Alles offen und weniger vortragsmäßig.

CLAUS: Und die dritte Veranstaltung?
CS: Bei der dritten Veranstaltung geht’s um das Thema „All Age“. Hier haben wir dann handfeste Autoren dabei, nämlich Janet Clark, die ja eigentlich Krimiautorin ist, aber jetzt mit „Ewig dein“ das erste Jugendbuch geschrieben hat. Anke Stelling wird da sein, die auch viel zum Thema beitragen kann und auch Karla Paul kommt, die 2016 bei Reclam „Gilmore Girls: 100 Seiten“ rausgebracht hat. Und das trifft ja das Thema exakt: Gilmore Girls konnte ich mit 15 anschauen und sehe es auch heute noch gerne!

CLAUS: Das klingt interessant! Im Kurs arbeiten nur Studenten zusammen, richtig?
CS: Klassischerweise ja, denn der Kurs ist ja an die Studiengänge geknüpft. Die meisten sind Masterstudenten, aber manchmal machen auch schon Bachelor mit. Für die ist es am Anfang vielleicht ein bisschen chaotisch, aber das ist kein Problem! Wir lernen uns kennen, wir helfen uns gegenseitig und dann klappt das schon.

CLAUS: Wie viele ECTS Punkte gibt’s für den Kurs?
CS: Keine. Tatsächlich besteht der Kurs aus reiner Eigeninitiative und daraus, dass Leute Lust haben, was zu lernen, Kontakte zu knüpfen und sich einzubringen. Die Belohnung ist, durch den Kurs die Möglichkeit zu haben, auf die Messe zu fahren, eine Unterkunft zu haben und auch ein paar Tage vor Ort zu bleiben. Ich selbst bin damals auf der Frankfurter Buchmesse über diesen Stand gestolpert und auf den Studiengang an der LMU aufmerksam geworden. Und jetzt mache ich selbst mit, gebe meine Erfahrungen an andere Leute weiter, gebe ihnen einen Einblick und versuche zu vermitteln, wie großartig dieser Studiengang ist. Denn das Gute daran ist wirklich, dass wir sehr viele externe Dozenten haben. Das sind wirklich Praktiker, die aus dem Berufsleben berichten und auch richtige Karrierechancen aufzeigen. So kommt man mit unheimlich vielen Leuten in Kontakt, was die Dozenten auch selbst bestätigen. Die sagen wirklich „Betrachten Sie mich als Teil Ihres Netzwerks“ und diese Kontakte kann man später wieder nutzen. Durch den Messekurs innerhalb des Studiums baut man dieses Netzwerk dann natürlich noch aus. Nicht zuletzt sammelt man durch den Kurs auch gewissermaßen Berufserfahrung, einfach indem man schon einmal Veranstaltungen organisiert hat, weiß, wie man Gelder akquiriert oder wie man Referenten für sich gewinnt.

CLAUS: Macht die Uni denn Vorgaben, welche Veranstaltungen ihr umsetzen müsst?
CS: Überhaupt nicht. Da sind wir glücklicherweise völlig frei. Wir gliedern den Kurs ein bisschen in verschiedene Teams, also wer macht die Presse, wer macht die Werbemittel, wer kümmert sich um Anreise und Unterkunft. Aber wenn es um den kreativen Input geht, also wie wir uns präsentieren und welche Themen wir in unseren Veranstaltungen beleuchten, da hat jeder gleiches Mitspracherecht und wir setzen uns hin und brainstormen. Unser begleitender Dozent Herr Salamonsberger mischt sich da auch wenig ein. Der will eher, dass wir selbst kreativ werden. Natürlich versuchen wir, aktuelle Dinge aus der Branche aufzugreifen, wie zum Beispiel jetzt die rechtliche Perspektive bei dem Blogger-Event.

CLAUS: Und die Veranstaltungen sind frei?
CS: Komplett kostenlos. Wer an unserem Stand vorbeikommt, ist eingeladen auch unsere Veranstaltungen zu besuchen. Die finden alle direkt am Stand statt. Da haben wir ein nettes Palettensofa und widmen wir uns dann dort unseren Themen.

CLAUS: Wo findet man nochmal alle Informationen gebündelt?
CS: Die findet man alle auf unserem MunichBookster Blog.

CLAUS: Danke für´s Gespräch!

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