Jeder Tag ist anders

Seit fast 15 Jahren ist Kirchner Kommunikation Sprachrohr zu den Multiplikatoren des Buchmarktes – für Kunden aus der Literaturbranche übernehmen sie klassische Pressearbeit, entwickeln PR-Strategien und führen Blogger- und Social Media-Kampagnen durch, mit dem Ziel, Aufmerksamkeit in der publizistischen Öffentlichkeit zu erzeugen.
Judith Polte hat mit CLAUS über ihre Arbeit, ihren Werdegang und die Leidenschaft in der Buchbranche gesprochen.

BN_CLAUSInterview_JudithPolte© privat

CLAUS: Wie bist du zu Kirchner Kommunikation gekommen?
Judith Polte:
Ich habe während meines Masterstudiums der Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig ein zweimonatiges Praktikum bei Kirchner Kommunikation absolviert. Nach meinem Studienabschluss zog ich nach Berlin und durfte hier in der Agentur ein Volontariat absolvieren. Seit ca. drei Jahren bin ich feste Mitarbeiterin bei Kirchner Kommunikation.

CLAUS: Habt ihr diese spätere Übernahme schon zu Beginn deines Volontariats vereinbart?
JP:
Nein, eine Anschlussbeschäftigung bei Kirchner Kommunikation wurde mir nicht von Beginn an in Aussicht gestellt, sondern ergab sich erst nach Abschluss meines Volontariats.

CLAUS: Führt der Weg in eine PR-Agentur grundsätzlich über ein Volontariat oder gibt es da verschiedene Wege? Wie schätzt du die Berufschancen in diesem Bereich ein?
JP:
An Praktika und einem Volontariat führt meiner Erfahrung nach generell in der Verlagsbranche kaum ein Weg vorbei. Darüber hinaus ist viel Eigeninitiative gefragt, denn leider ist die Festanstellung am Ende eines Volontariats keineswegs die Regel.
Aber die Diskussionen um unverhältnismäßige Entlohnung und den Missbrauch von Volontären als Ersatz für Vollzeitkräfte hat einiges bewegt und Einstiegschancen für den Branchennachwuchs attraktiver gestaltet.

CLAUS: Was meinst du, welche Fähigkeiten, Eigenschaften und Interessen man braucht um erfolgreich in einer PR-Agentur für die Buchbranche arbeiten zu können?
JP:
Generell erfordert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Verlagswesen Offenheit, Kommunikationsstärke, Neugier und die Fähigkeit, sich in unterschiedliche Themen einzuarbeiten und kreative Strategien zu entwickeln, damit Bücher ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. In unserer Rolle als Mittlerinnen zwischen Medienvertreter*innen und Akteur*innen der Literaturbranche sind diplomatisches Geschick und Empathie darüber hinaus essentielle Eigenschaften.

CLAUS: Mit welchen Akteur*innen hast du zu tun? Oder anders: Wer sind eure Kunden?
JP:
Zu unseren Kunden zählen Literatur- und Kulturinstitutionen, Stiftungen, Literaturpreise, Kulturprojekte und -veranstaltungen, Literaturfestivals und Buchverlage – vornehmlich unabhängige Verlage. Wir betreuen sowohl ganze Verlagsprogramme als auch einzelne Titel oder Reihen, das Spektrum reicht dabei von Sach- und Fachbuch über Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu Bildbänden, illustrierten Büchern, Graphic Novels und Lyrikbänden. Zu unseren langjährigsten Kunden zählt z. B. der Berenberg Verlag mit seinem hochwertigen Programm. Seit zwei Jahren unterstützen wir die unabhängigen Verlage Weidle und mairisch bei der Medienarbeit. Zudem betreuen wir u. a. die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Bayerischen Buchpreis und den Deutschen Buchhandlungspreis, sind für die Medienarbeit der Stiftung Buchkunst tätig und verantworten für den Börsenverein, Landesverband Berlin-Brandenburg die Pressearbeit zum Lesefestival STADT LAND BUCH und zum Schreibwettbewerb THEO.

CLAUS: Durch deine Arbeit hast du also Kontakt zu verschiedensten Bereichen und Vertreter*innen aus der Buchbranche. Was würdest du sagen sind die aktuellen Herausforderungen der PR in der Buchbranche?
JP:
Die öffentlichkeitswirksame Positionierung von Büchern, literarischen Themen und Akteur*innen in einer sich stetig wandelnden Medienwelt stellt eine große Herausforderung dar. Eine zunehmend unüberschaubare Zahl von Neuerscheinungen drängt Saison für Saison auf den deutschsprachigen Buchmarkt, während gleichzeitig die (Kultur-)Redaktionen in regionalen und überregionalen Zeitungen immer kleiner werden und Literatur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur noch wenig stattfindet – und wenn doch, stürzen sich die Medien häufig auf die gleichen prominenten Autor*innen. Dieser Entwicklung müssen wir mit Kreativität, Neugier und Offenheit für neue (digitale) Möglichkeiten der Pressearbeit begegnen. Der persönliche und individuelle Kontakt zu Literatur-Blogger*innen, die häufig näher an Buchkäufer*innen sind als so manch Feuilletonist*in, nimmt einen großen Stellenwert bei uns ein. Zum zweiten Mal in Folge haben wir beispielsweise vergangenes Jahr ausgewählte Literatur- und Buch-Blogger*innen zur „Spreepartie“, einer literarischen Tour durch Berlin, eingeladen: In Begegnung mit Autor*innen, Illustrator*innen und Verleger*innen wurden die Teilnehmer*innen an vier Stationen auf vier Neuerscheinungen aus vier kleinen unabhängigen Verlagen aufmerksam gemacht.

CLAUS: Warum hast du dich für eine Agentur im Literaturbereich und nicht in einer anderen Branche entschieden?
JP:
Meine Begeisterung für die Buchbranche wurde während meines Masterstudiums geweckt. Verschiedene theoretische und praxisnahe Veranstaltungen der Buchwissenschaft haben mich neugierig auf den Literaturbetrieb gemacht. Nach Praktika in der Presseabteilung des Aufbau Verlags und bei Kirchner Kommunikation stand mein Berufswunsch fest.

CLAUS: Aus deinen Praktika kanntest du die Arbeit im Verlag und in der Agentur. Warum hast du dich für die Agentur entschieden?
JP:
Besonders spannend bei meiner Tätigkeit hier in der Agentur finde ich die Vielfalt und Bandbreite unserer Kunden. Da sind vor allem kleine Verlage, die mit großem Idealismus Jahr für Jahr ein hochwertiges Programm mit auffallend schönen, sorgsam gestalteten Titeln jenseits des Mainstream auf die Beine stellen, innovative Veranstaltungsformate, aber auch hochdotierte Literaturpreise, für die wir mehr Aufmerksamkeit generieren können.

CLAUS: Wie sieht dein Arbeitstag aus?
JP:
Ich sichte zu Beginn meines Arbeitstages zunächst Zeitungen und Zeitschriften sowie Online-Portale, Blogs und Social Media Kanäle im Hinblick auf erschienene Rezensionen und Medienbeiträge der von uns betreuten Titel und Projekte. Im Anschluss informiere ich Verlagsmitarbeiter*innen über Besprechungen, bearbeite Presseanfragen und verfasse Pressetexte und -mailings. Ich korrespondiere mit Autor*innen und entwickle PR-Strategien für neue Projekte. Der kontinuierliche Kontakt mit Kritiker*innen und Redakteur*innen ist unentbehrlich – neben dem Austausch per Telefon und E-Mail treffe mich mit Journalist*innen und Blogger*innen, um im persönlichen Gespräch ihr Interesse für die Programme, Autor*innen und Themen unserer Kund*innen zu wecken.

Kirchner Kommunikation ist auf Facebook und Twitter aktiv – gemeinsam mit meinen Kolleginnen verfasse ich Posts und Tweets mit persönlicher Note, um unsere Zielgruppen direkt anzusprechen und für „unsere“ Bücher zu begeistern.

CLAUS: Was begeistert dich besonders an deinem Job?
JP:
Jeder Tag ist anders. Langeweile kommt beim besten Willen nicht auf. Die vielfältige und abwechslungsreiche Herangehensweise an ein Buch machen den Reiz meiner Arbeit aus. Darüber hinaus bereichert mich der enge und stetige Austausch mit umtriebigen Büchermenschen, v. a. kleinen feinen Verlagen mit viel Idealismus, die Bücher machen, weil sie ihnen gefallen. Aufgrund eines geringen Marketingbudgets ist es für diese umso wichtiger, von der Presse wahrgenommen zu werden. Damit verbunden ist eine hohe Erwartungshaltung an unsere Arbeit, der wir mit großem Einsatz, Leidenschaft und Kreativität nachkommen.

CLAUS: Was nervt dich in deinem Job?
JP:
Das rasante Kommen und Gehen von Büchern, die man nur kurz festhalten kann, bevor das nächste erscheint.

CLAUS: Welches deiner Projekte ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
JP:
Vergangenen Herbst war ich u. a. für die Medienarbeit des Bildbands „Business as Unusual“ (The Green Box) des Malers, Illustrators und Konzeptkünstlers Jim Avignon zuständig. Jim Avignons Werke und seine unprätentiöse Arbeitsweise begeistern mich schon seit langem – diesen erfolgreichen und trotz allem bodenständigen und unkomplizierten Künstler persönlich kennen zu lernen und in Zusammenarbeit mit ihm sein großartiges Buch, in dem er ganz ungeniert und humorvoll auf seinen ungewöhnlichen Werdegang zurückblickt, in TV, Hörfunk, Printmedien und Blogs zu platzieren hat mir besonders großes Vergnügen bereitet.

CLAUS: Vielen Dank für das Interview und den Einblick in deine spannende Arbeit!

Zusätzliche Informationen zu Kirchner Kommunikation gibt es hier: www.kirchner-pr.de

Den Horizont vom Eiffelturm aus erweitern

Das Paris-Frankfurt Fellowship ist ein intensives Fortbildungsprogramms. Sein Ziel ist es, ausgewählten jungen deutschen, schweizer und französischen Buchhändlern und Verlagsmitarbeitern zu ermöglichen, neue berufliche, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen dank eines Seminares und Verlagsbesuchen zu erwerben.
Anna Anzulewicz war Teil dieses Austauschprogramms und berichtet im Interview mit CLAUS von Ihren Erfahrungen – aus Sicht der Buchhändlerin.

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Bücher en français – Erfahrungen eines interkulturellen Austausches

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Yvonne Holzmeier war Teil dieses Austauschprogramms und berichtet im Interview mit CLAUS von Ihren Erfahrungen

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Kreatives Zusammenspiel zwischen Verlagen und Bloggenden

Bloggen ist ein Trend – auch in der Buchbranche. Carolina Teichmann Cravo arbeitet als Volontärin beim Heyne Verlag und betreut dort unter anderem Bloggende über das Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House.
Sie erklärt im Interview mit CLAUS, warum Bloggende für die Buchbranche wichtig sind und welches Entwicklungspotential sie sieht.

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Neustart, ein eigener Verlag und viel Mut

Julia Eisele war fast 20 Jahre Lektorin und Programmleiterin bei großen Verlagen, u.a. bei Piper. 2015 gründete sie ihren eigenen Verlag. Mit CLAUS hat sie über ihre Entscheidung, ihre Leidenschaft für besondere Titel und die Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit gesprochen.

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Dichter, Filmemacher und Medienkünstler

Milan Grünewald ist diplomierter Medienkünstler (KHM Köln) und selbständiger Buchtrailer-Produzent. Mit CLAUS hat er über seinen Weg in die Selbständigkeit, seine Leidenschaft für Text und Bewegtbild und die Entstehung eines Buchtrailers gesprochen.

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Mit Knete und Wachsmalstift in die Zukunft

Design Thinking ist in vielen Unternehmen bereits fester Bestandteil der Produktentwicklung. Mit Dr. Sabine Wölflick von der Hochschule München haben wir darüber gesprochen worum es beim Design Thinking München geht, wie man es lernt und welche Rolle Design Thinking in der Zukunft der Buchbranche spielen wird.

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Von einem Patentrezept wüssten wir alle

Zum Jahreswechsel sind sie wieder da: die guten Vorsätze. Mehr Sport, gesündere Ernährung, mehr Zeit für Familie und Freunde. Man nimmt es sich vor…und hält dann doch irgendwie nicht durch. Supervision, Coaching und Kommunikationstraining sind die Arbeitsschwerpunkte von Christiane Goebel. Mit ihr hat CLAUS darüber gesprochen, wie man sich die richtigen Vorsätze schafft und sich zum Durchhalten motiviert.

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Meine Lieblingsbuchhandlung gehört jetzt mir!

Melena Renner hat ihre Lieblingsbuchhandlung gekauft. Von der konkreten Idee bis zur Umsetzung hat es gerade einmal fünf Monate gedauert. Mit CLAUS hat sie über ihren Weg zur Inhaberin der Buchhandlung Dr. Schrenk in Gunzenhausen gesprochen und uns erzählt warum traditioneller Buchhandel und Digitalisierung nicht in Konkurrenz stehen müssen.

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Von der Suche nach fast verschollenen Büchern und dem Austausch in einer kleinen großen Familie

Cigdem Aker ist Rights Manager bei der Holtzbrinck Publishing Group und 1. Vorsitzende der Jungen Verlagsmenschen. Mit CLAUS hat sie über ihre Arbeit im Bereich der Digitalisierung der Backlist, ihren Werdegang und die Bedeutung des Netzwerkens in der Buchbranche gesprochen.

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Vor lauter Volo seht ihr den Verlag nicht mehr?

Das Volontariat in der Buch- und Medienbranche ist ebenso umstritten wie frequentiert. Ausdifferenzierungen gibt es unzählige - je nach Verlag, Ausrichtung und Aufgabenbereich. Wer also mit dem Gedanken spielt, eine Volontariat anzufangen, der sollte sich vorab genau informieren, denn Fakt ist: Volo ist nicht gleich Volo. Zwei, die darüber bestens Bescheid wissen, sind Marion Preuß und Nadine Estermann. Für CLAUS stellen sie ihre Volontariate gegenüber und helfen euch ein wenig, die Orientierung zu behalten.

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Bauch, Herz, Verstand

Theorielastige Studiengänge durchhalten, Kinder- und Jugendbüchern zur Entstehung verhelfen, Nachtschichten in Werbeagenturen einlegen, jetzt Bücherstapel einkaufen, auspacken, auf- und umräumen. All das ist kein Problem für Alexandra Baier, denn sie ist ein echtes Allround-Talent. Seit einem Jahr leitet sie den PREGO cookbookstore im EATALY in der Münchner Schrannenhalle. Jetzt wurde sie vom Börsenverein für den Young Excellence Arward nominiert. Mit CLAUS plaudert sie über ihren Werdegang, über Leidenschaften und darüber, wieso der Mensch nicht nur eine Sache können können sollte...

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Durchblick im Bewerbungsdschungel

Der Arbeitsmarkt frustriert. Gefühlt gibt es immer mehr hochqualifizierte Bewerber auf immer weniger Stellen. Die Konkurrenz ist hoch und der Druck steigt. Nur wer eine überzeugende Bewerbung abliefert, hat eine Chance. Aber wie geht das eigentlich - überzeugend bewerben? Julia Letetzki weiß es, denn sie ist für Marketing und Kooperationen bei Dein-Lebenslauf.com zuständig. 2014 startete Dein-Lebenslauf als Start-Up, seit Frühjahr dieses Jahres ist das Angebot in die Gründerszene Jobbörse integriert. Eine Website auf der sich Profis um eure Bewerbung kümmern.

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Diskutieren 2.0: social reading

Plattformen, Postings, Tweets und Chats: Durch die diversen Netzwerke unserer digitalen Welt umgibt uns der Aspekt des Sozialen so penetrant wie noch nie. Klar, dass sich das auch auf unser Leseverhalten auswirkt: Social reading heißt das Stichwort, mit dem sich Marina Müller bestens auskennt. Die Community Managerin bei LovelyBooks bringt darüber ein wenig Licht ins Dunkel.

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"Studium rund ums Buch" auf der Leipziger Buchmesse

Carmen Scharf hat nach den Klausuren im Frühjahr keine Semesterferien, obwohl sie mitten in ihrem Master Buchwissenschaft: Verlagspraxis an der LMU steckt. Weg fährt sie trotzdem – nämlich zur Leipziger Buchmesse. Gemeinsam mit ihren KommilitonInnen präsentiert sie dort die buchbranchenaffinen Studiengänge, die die LMU anbietet. Für CLAUS hat sie sich Zeit genommen: Wie kommt dieses Engagement zustande und was passiert dann auf der Buchmesse?

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Urbaner Idealismus: der astikos Verlag

Daniel Bräuer und Nikk Schmitz sind Astiküsse. So nennen sie sich als Mitglieder ihres Verlages. Gegründet haben sie den astikos Verlag 2015. Zu dritt, gemeinsam mit einem Freund, mit dem sie seit längerer Zeit den Plan schmiedeten, die eingefahrenen Strukturen zu durchbrechen. Zwischenzeitlich besteht der Verlag aus einem ganzen Netzwerk an Gleichberechtigten. Und einer großen Vision.

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