Bücher en français – Erfahrungen eines interkulturellen Austausches

Das Paris-Frankfurt Fellowship ist ein intensives Fortbildungsprogramms. Sein Ziel ist es, ausgewählten jungen deutschen, schweizer und französischen Buchhändlern und Verlagsmitarbeitern zu ermöglichen, neue berufliche, sprachliche und interkulturelle Kompetenzen dank eines Seminares und Verlagsbesuchen zu erwerben.

Yvonne Holzmeier war Teil dieses Austauschprogramms und berichtet im Interview mit CLAUS von Ihren Erfahrungen

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CLAUS: Yvonne, wie kam es dazu, dass du dich für das Programm beworben hast?
Yvonne Holzmeier: Frankreich ist nicht neu für mich. Ich habe Französische Literatur studiert und ein Erasmus-Jahr in Paris absolviert. Man könnte also sagen, ich habe immer schon eine Leidenschaft für Frankreich gehabt. Über das Austauschprogramm habe ich recht kurzfristig erfahren und mich innerhalb von drei Tagen beworben. Das hat so gut funktioniert, da mich meine Abteilungsleiterin und die Personalabteilung bei dtv, wo ich zu dem Zeitpunkt ein Volontariat in der Presseabteilung absolviert habe, sehr unterstützt haben.

CLAUS: Was hast du dir von deinem Aufenthalt in Paris erwartet? Du hattest ja bereits einiges an Vorkenntnissen.
YH: In erster Linie habe ich mir mehr spezialisiertes Wissen über die französische Verlagsbranche erhofft, vor allem im Vergleich zu Deutschland. Und diese Erwartung wurde auch erfüllt. Wir haben unglaublich viel gelernt und gesehen, was auch an der Vielfalt der vorgestellten Verlage, Buchhandlungen und Akteure der Branche lag. Außerdem waren die Teilnehmerinnen eine tolle, bunt zusammengewürfelte Gruppe.

CLAUS: Wie lief denn der Austausch beziehungsweise die Vorbereitung ab?
YH: Der ganze Austausch hat nur zwei Wochen gedauert, war aber sehr prägend, da es wirklich viele Programmpunkte gab. Zuerst haben wir, also die Teilnehmerinnen, uns in Frankfurt auf dem Mediacampus kennengelernt. Dort waren wir zwar in Einzelzimmern untergebracht, aber es gab immer deutsch-französische Pärchen, die eine Art Wohngemeinschaft bildeten. In dieser Woche haben wir viel über die Unterschiede der Branche gelernt, da die Teilnehmer, also sowohl die deutschen, als auch die französischen, jeweils Präsentationen in der Fremdsprache über ihnen vertraute Themen gehalten haben. Ich habe also auf Französisch unseren Lesungsfolder von dtv vorgestellt. Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass die französischen Kolleginnen ganz anders arbeiten und unser Lesungsfolder ihnen gänzlich unbekannt war. Bei diesem „Interkulturellen Vorbereitungskurs“ kamen aber natürlich noch weitere Unterschiede heraus, beispielsweise sind die Zuständigkeiten in Frankreich ganz anders verteilet und somit ändert sich auch der komplette Ablauf, wie ein Buch herausgebracht wird.

CLAUS: Ihr wurdet also auf eure Besuche bei den Verlagen gut vorbereitet?
YH: Ja, wir haben sehr viele Infos schon im Vorfeld erhalten. Es ging dann auch gleich los mit einer Reise durch Deutschland, bei der wir in vier Tagen drei Städte und einige Verlage gesehen haben. Das war schon ein sehr schnelles und enges Programm. In Köln zum Beispiel haben wir zwei Verlage besucht, sind aber nicht über Nacht geblieben, sondern gleich weiter nach Hamburg. Und wir haben nicht nur Verlage gesehen, sondern auch Vertreter der Frankfurter Buchmesse und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels kennengelernt und die Literaturagentin Vanessa Gutenkunst von der Copywrite Literaturagentur sowie Blogger getroffen. Wir haben außerdem Buchhandlungen, das Literaturhaus Hamburg und eine Bibliothek besucht. Das waren die Bücherhallen in Hamburg, die einen tollen transmedialen Ansatz nach dem Motto „die Bibliothek als zweites Wohnzimmer“ verfolgen – mit unglaublich vielen Angeboten für Jugendliche So wurden sehr viele Bereiche der Branche abgedeckt.

CLAUS: Das klingt nach einem Marathon! Seid ihr in Frankreich auch so viel gereist?
YH: Nein, in Frankreich waren wir die vier Tage nur in Paris. Dort ist die Buchbranche stärker zentriert. Als erstes haben wir dort das BIEF (Bureau international de l’Édition Française) besucht, das ist ein Verband, der sich in etwa mit dem Börsenverein vergleichen lässt. Dort war auch unsere Koordinatorin. Während des Aufenthalts in Paris haben wir verschiedene Verlage besucht, zum Beispiel Les Arènes, die das wunderschöne Buch „Das geheime Leben der Bäume“ nach Frankreich gebracht haben, oder Les petit Platons, ein Verlag, der Kindern Philosophie nahebringt. Meistens hatten wir direkt mit den Verlegern Kontakt und bekamen interessante Einblicke aus erster Hand. Etwas außerhalb von Paris haben wir die Sodis besucht, eine Art Barsortiment. Im Unterschied zu Deutschland ist der Zwischenbuchhandel nämlich nicht unabhängig organisiert sondern wird von Verlagen direkt bewältigt. Kleinere Verlage schließen sich an, weshalb doch Ähnlichkeiten mit deutschen Barsortimenten zu sehen waren, gerade was die Logistik betrifft. Dort haben wir die beeindruckenden, riesigen Lagerhallen gesehen. Wir waren auch in Buchhandlungen in Paris und man merkt wirklich, die Buchhändler leben fürs Buch. Der Buchhandel ist dort fester Bestandteil der Stadtkultur und Buchhändler ist außerdem ein Studienberuf in Frankreich. In einer Libraire hatten wir eine Führung vor den Öffnungszeiten und da warteten bereits Kunden vor der Tür.

CLAUS: War in eurem straffen Programm auch etwas Platz für Freizeit?
YH: Ja, auf jeden Fall, wenn auch nicht viel. In Deutschland und in Frankreich haben die jeweils einheimischen Teilnehmerinnen die Rolle der Gastgeber übernommen und ein wenig durch die Stadt und zu den Lieblingsplätzen geführt. Da waren wir auch oft in Gruppen unterwegs. Wir waren zum Beispiel zusammen in der Fnac, eine Kette, die ich bereits von meiner Erasmus-Zeit und zahlreichen Besuchen in Frankreich kannte (Paris ist mein zweites Zuhause). Das ist ein Laden, wo man Bücher, aber auch Computer, Elektrogeräte und anderes kaufen kann. Dadurch, dass wir so viel Programm hatten, aber auch in der Freizeit viel zusammen gemacht haben, war es ein sehr intensives und anstrengendes, aber auch einmaliges Erlebnis!

CLAUS: Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben, wenn du an das Austauschprogramm zurückdenkst?
YH: Ich würde sagen, es gibt gar kein besonderes Ereignis, sondern einfach die vielen verschiedenen Eindrücke. Die Verlage hatten beispielsweise ganz unterschiedliche Konzepte, die man in der Verdichtung unserer Besuche besonders deutlich gespürt hat. Der Mareverlag in Hamburg beispielsweise hat wunderbare ästhetische Bücher rund um das Thema Meer, während Nautilus, ebenfalls in Hamburg, viele politische Texte, wie etwa von Deniz Yücel, publiziert. In Frankreich dagegen waren beispielsweise Comics sehr präsent, auch Sachcomics. Besondere Vielfalt zeigte sich auch in den Fellowship-Teilnehmerinnen. Viele deutsche Teilnehmerinnen waren Volontäre aus unterschiedlichen Verlagen und Abteilungen, aber auch andere Berufsgruppen aus dem Buchhandel, Verlagen oder Bibliothekswesen waren vertreten. Somit hatte man am Ende einen tollen Überblick über die Branche.

CLAUS: Denkst du, die Teilnahme am Programm hat dich beruflich oder persönlich weitergebracht?
YH: Auf jeden Fall. Allein die Beziehungen, die man in der kurzen Zeit in der Branche geknüpft hat sind wichtig. Man kann sich auf jeden Fall ein tolles Netzwerk mit den anderen Teilnehmern aufbauen, aber man hat auch schon Kontakt zu Verlegern, Verlagsmitarbeitern, Buchhändlern etc. Viele der Teilnehmerinnen habe ich beispielsweise auf der Frankfurter Buchmesse dieses Jahr bei unserem Fellowship-Frühstück getroffen und wir halten alle Kontakt. Und für mich persönlich war es natürlich eine unglaublich bereichernde und einmalige Erfahrung.

CLAUS: Das hört sich so an, als würdest du es weiterempfehlen? Gibt es noch etwas, was du den Lesern mit auf den Weg geben möchtest?
YH: Ich kann diese interkulturelle Erfahrung ohne Einschränkungen weiterempfehlen! Voraussetzung sind natürlich sehr gute Sprachkenntnisse, wobei im interkulturellen Vorbereitungskurs viele fachspezifische Begriffe erläutert wurden. Die meisten Teilnehmerinnen hatten auch bereits Auslandserfahrung gesammelt. Aber ich habe sowohl persönlich als auch beruflich so viel aus dieser Auslandserfahrung mitgenommen, dass ich sie hier persönlich weiterempfehlen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch, Yvonne Holzmeier!

Das nächste Frankfurt-Paris Fellowship wird von 8. - 22. Mai 2019 stattfinden. Die Bewerbungsfrist dafür endet am 31. Januar 2019.
https://www.buchmesse.de/international-business/networking/foerderprogramme/paris-frankfurt-fellowship

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