Lesekoffer-Projekt macht Schule

Selbst eine engagierte Buchhändlerin wie Irmgard Clausen von der Coburger Buchhandlung Riemann war wohl überrascht, welche Begeisterungswelle sie mit ihrem "Lesekoffer-Projekt" bei Schülern und Lehrern ausgelöst hat. Ihre originelle Idee zur Leseförderung: Lesekoffer, gefüllt mit jeweils 60 Kinderbüchern, werden auf die Reise von Schulklasse zu Schulklasse geschickt. Die Schüler einer Klasse können dann vier Wochen lang nach Herzenslust in den Büchern schmökern. Wenn eine Klasse den Lesekoffer ausführlich kennen gelernt hat, wandert er weiter an eine andere Schule.

Mit Unterstützung der renommierten Kinderbuchverlage Oetinger und Ravensburger wurde das ehrgeizige Projekt professionell auf den Weg gebracht. Fünf Lesekoffer (je einer für die Jahrgangsstufen 1 – 5) reisten von einer Schule im Coburger Land zur nächsten, und viele Schüler wurden zu eifrigen Bücherwürmern. Die vielfältigen Geschichten animierten darüber hinaus auch zum "Selbermachen". In den teilnehmenden Klassen entstanden Lieder, Bilder, Erzählungen und sogar selbst verfasste Theaterstücke zur Lesekoffer-Lektüre. 2005 fand das inzwischen 3. Lese-Kofferfest statt und eingeladen waren nicht nur alle Kinder und Lehrer, die den Lesekoffer in der Schule hatten, sondern alle Kinder, die Spaß am Lesen haben, alle Lehrer, Eltern, Omas und Opas...und natürlich der Stargast Paul Maar, der mit Herrn Bello im Gepäck nach Coburg reiste. Und selbstverständlich wurde wieder rund ums Lesen gespielt, gebastelt und vorgetragen.

Das Ziel der Aktion, nämlich die Kinder zum Lesen und zur Beschäftigung mit den Texten anzuregen, wurde damit mehr als erreicht. Die Schüler bekamen zu Beginn der Aktion ein persönliches Lesetagebuch, in dem sie ihre eigenen Leseerfahrungen notieren konnten. Flankiert wurde das Lesekoffer-Projekt durch didaktische Angebote für die Lehrer. Um die Lehrkräfte bei der Unterrichtsplanung zu unterstützen, stellten die pädagogischen Berater der Verlage Erläuterungen und Anregungen zu den einzelnen Titeln zusammen.
Einen feierlichen Anstrich bekam die Aktion durch die Übergabe des Lesekoffers an die jeweiligen Klassen im Caféchen der Buchhandlung Riemann. Hier treffen sich die "alte" und die "neue" Leseklasse, um Leseerfahrungen auszutauschen und Lieblingsbücher vorzustellen. Höhepunkt und krönender Abschluss war das erste Coburger Lesefest, dass die Buchhandlung im Juli 2003 zur Überraschung der Kinder organisierte. Die Initiatorin Irmgard Clausen und ihre Mitarbeiterinnen stellten unter anderem ein Lesezelt auf, für das Kinderbuchautoren wie Paul Maar für Lesungen gewonnen werden konnten. Die Klassen revanchierten sich auf einer extra errichteten Bühne mit vorbereiteten und spontanen literarischen Darbietungen, die vom Lesekoffer inspiriert worden waren. Eine "LeseFieberKurve" dokumentierte, welche Bücher die Kinder wie oft und wann gelesen hatten und welche Bücher sie insgesamt favorisierten.

Das Lesekoffer-Projekt macht inzwischen Schule. Viele Buchhandlungen sind dem Beispiel gefolgt und haben das Projekt in Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen und den Verlagen ebenfalls durchgeführt. Viele weitere haben ihr Interesse angemeldet, denn mit einem Koffer voll spannender, unterhaltender Geschichten lässt sich sehr erfolgreich Begeisterung fürs Lesen wecken.