CLAUS zu Gast bei... Hanser

Als Carl Hanser 1928 seinen Verlag gründete, strebte er zwei Ziele an: ein literarischer Verlag mit hohem Anspruch und ein technischer Fachverlag mit industriellem Praxisbezug. Daraus ergibt sich bis heute ein breit gefächertes Themen- und Genrespektrum für unterschiedliche Leser und Zielgruppen. Neben dem Literatur- und Kinderbuchverlag ist so auch ein bedeutender industrienaher Fachverlag entstanden.
Besonderen Wert legt der Hanser Verlag auf den sorgsamen Umgang mit seinen Autoren. Sie sind das höchste Gut des Verlags und der Hanser Verlag ist zurecht stolz auf eine oft freundschaftliche und treue Verbundenheit mit seinen Autoren. Durch seine erfolgreiche Arbeit konnte sich der Verlag seine Unabhängigkeit bewahren und befindet sich bis heute in Familienbesitz.

 
Am 21. April 2008 fand der Verlagsbesuch beim Carl Hanser Verlag statt. Lesen Sie hier einen vollständigen Bericht über die Veranstaltung.


Trotz strömendem Regen kamen rund zwanzig Auszubildende aus der Buchbranche in das Hanser-Verlagshaus im Münchener Stadtteil Bogenhausen. Bei Wein und sehr leckeren Snacks wurden wir sogleich in die Verlagsgeschichte eingeführt. Die Leiterin der Marketingabteilung Felicitas Feilhauer, welche mittlerweile 30 Jahre beim Hanser Verlag arbeitet, berichtete über die Entstehung und über die Verlagsphilosophie.

Hanser versteht sich als Autorenverlag. Dies bedeutet zum einen, dass, wenn nicht gleich das erste Buch eines Autors ein Erfolg wird, man bereit ist, auch dem zweiten oder dritten eine Chance zu geben. Zum anderen genießen die Hanser-Autoren eine besondere Betreuung durch den Verlag, was, wie Frau Pohnert später berichtete, auch zu turbulenten Erlebnissen während einer Autorenreise führen kann.

1928 wurde der Verlag von Carl Hanser mit zwei Zielen gegründet: Neben einem literarischen Verlag mit hohem Anspruch sollte ein technischer Fachverlag mit industriellem Praxisbezug entstehen. In den 90er Jahren wurden drei Verlage zugekauft. Zum einen der österreichische Verlag Paul Zsolnay, welcher über einen gewichtigen literarischen Fundus verfügt. Dieser wird jetzt nach und nach erfolgreich verarbeitet. Zum anderen kamen der Geschenkbuchverlag Sanssouci und der schweizer Verlag Nagel & Kimche hinzu.Somit steht der Carl Hanser Verlag heute auf einem breiten Fundament.

Tatjana Michaelis, Leiterin des Auslandslektorats, erzählte als nächstes sehr anschaulich, wie sie neue Autoren entdeckt. Auch wenn ein Leitspruch ist, „Kaufe nie einen unbekannten Autor mit Erzählungen ein“, sollte man dies nicht immer beherzigen. Denn so konnte sie von einem Glücksmoment berichten, als gerade ein Erzählband zu einem Überraschungserfolg wurde.

Neben den schönen Erlebnissen berichtete sie aber auch von der zuweilen mühsamen Lektoratsarbeit. So zum Beispiel, wenn sie auf der Suche nach dem richtigen Übersetzer ist oder mit den Autoren über ihre Manuskripte diskutiert. Gerade dabei ist besonders viel Verständnis und Einfühlungsvermögen notwendig.
Auf die Nachfrage einer Auszubildenden, ob man das Gespür für gute Bücher im Blut hat, wies Frau Michaelis darauf hin, dass man nicht nur dem eigenen Geschmack vertrauen sollte, sondern auch die Entwicklung auf dem Buchmarkt im Auge haben muss.

Als nächstes stellte die Leiterin der Werbeabteilung, Sabine Lohmüller, ihre Arbeit vor. Anhand einer Präsentation erklärte sie, wie eine Werbekampagne in der Buchbranche funktioniert. Als Beispiel diente das Buch „Fragen Sie den Papagei“ von Richard Stark, welches im zu Hanser gehörenden Zsolnay-Verlag herauskommt. Zu solch einer Kampagne gehört neben Leseexemplaren und Beiheftern im Börsenblatt mittlerweile auch eine Autorenseite im Internet.

Interessant war, dass sich die Werbung vorerst nur an die Buchhändler richtet. Bei diesen sollen die Titel bekannt gemacht werden, damit sie in den Buchhandlungen an repräsentativer Stelle ausgelegt werden. Denn Endkunden-Werbung in überregionalen Zeitungen oder Magazinen ist oft so teuer, dass das Budget schnell aufgebraucht wäre. Ohnehin wird längst nicht für alle Titel eine Kampagne gefahren, sondern es werden ca. fünf Novitäten herausgesucht, welche abteilungsübergreifend als gut befunden werden. Denn bei einem relativ knapp bemessenen Werbebudget muss man sich gut überlegen, wo und für welche Titel investiert wird.

Frau Lohmüller erklärte weiter, dass ihre Abteilung als Inhouse-Agentur fungiert. Nur ganz wenige Aufträge werden an externe Agenturen vergeben. So arbeitet auch der Cover-Gestalter bei Hanser selbst. Dies hat den Vorteil, dass man viel flexibler agieren kann. Zudem wird viel Wert auf die Beschäftigung mit dem Inhalt der Bücher gelegt. So steht für Frau Lohmüller außer Frage, dass man das Buch auch gelesen haben muss, für welches man eine Kampagne startet.

Neben der Werbeabteilung ist besonders die Presseabteilung gefragt, wenn es um den Erfolg eines neuen Titels geht. Die ehemalige Volontärin Leonie Obalski-Jung, die im Verlag erfreulicherweise übernommen wurde, stellte ihre Arbeit in der Presseabteilung vor. Als Hauptziel steht dabei im Vordergrund, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen und in der Presse präsent zu sein. Das oft schon der Name „Hanser-Verlag“ ein Türöffner sein kann, macht die Arbeit umso schöner und erfreulicher. So werden Hanser-Titel gerne im gehobenen Feuilleton besprochen, was allerdings nicht unbedingt auch zu einem Erfolg bei den Kunden führen muss.

Bei der Pressearbeit geht es aber nicht nur um den Kontakt zu den Journalisten, sondern auch um die Autorenbetreuung. Diese werden mit Rezensionen versorgt und unter Umständen auch getröstet, wenn ihr neues Werk noch kein oder kein positives Echo in der Presse gefunden hat.

Für die Organisation und Betreuung der Autorenveranstaltungen ist beim Hanser-Verlag Annette Pohnert zuständig. Dieses, wenn auch manchmal nicht ganz einfache Geschäft, übt sie mit großer Freude aus. Besonders wenn sie einen Autor auf Lesereise begleitet, kann es schon mal zu turbulenten Erlebnissen kommen. Auf der anderen Seite ist es aber ein einmaliges Erlebnis, die Autoren so dicht bei der Arbeit zu begleiten. Diesen Job möchte sie daher auch mit niemandem tauschen.

An Frau Pohnerts Karriereweg sieht man auch, dass man sich nicht zu früh für einen Verlagsbereich entscheiden muss: So fing sie im Lektorat an, war dann im Vertrieb tätig und ist jetzt in der PR-Abteilung gelandet. Auf Nachfrage einiger Azubis wiesen die Kollegen daraufhin, dass es aus ihrer Sicht wichtig ist, möglichst viele Bereiche im Verlag kennen zu lernen und immer offen für Neues zu sein.

Den Abschluss des Abends bildete Stephan Seitz, der einen Überblick über die Vertriebswege in der Buchbranche gab. Dabei spielen folgende Fragen für die Vertriebsabteilung eine wichtige Rolle: Wer kauft alles Bücher? Wo kauft man sie? Wie informiert sich der Kunde? Da der Markt sehr hart umkämpft ist, muss man genau agieren. Man muss sich entscheiden, für welche Titel es sich lohnt, aktiv tätig zu werden.

Wie entscheidend diese Titelauswahl ist, zeigen die Zahlen: Allein die Top-5-Titel eines Jahres machen bei Hanser rund 33 Prozent des Umsatzes aus und die Top-20-Titel sogar 56 Prozent. Bei ca. 250 Neuerscheinungen pro Jahr (verteilt auf die ganze Verlagsgruppe) wird deutlich, wie wichtig es ist, die richtigen Titel am Markt zu präsentieren. Daher lautet die Strategie, eine exakte Programmarbeit zu machen.

Damit ein Buch erfolgreich verkauft wird, ist der Kontakt zu den Buchhändlern wichtig. Oft bedarf es einer individuellen Ansprache. So besuchen die Verlagsvertreter ca. 1600 Buchhandlungen im Jahr. Die Zusammenarbeit mit engagierten Buchhändlern spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Frau Feilhauer wies schließlich noch daraufhin, dass auch die Autoren bei der Vermarktung mitspielen müssen. Als Beispiel nannte sie Raoul Schrott, welcher sich durch zahlreiche Reisen und Lesungen sein Publikum geradezu erlesen hat. Sein Buch „Homers Heimat“ liegt nämlich weniger in den Buchhandlungen aus, sondern die Kunden fragen gezielt nach. Aber gerade deshalb sind die Verkaufszahlen mehr als zufrieden stellend.

Dank der beeindruckenden Vorträge und den interessanten Nachfragen wurde dies ein langer CLAUS-Abend. Mit tollen Buchgeschenken und vielen Informationen ging es schließlich für alle, leider immer noch durch den Regen, nach Hause.