CLAUS zu Gast bei... Dorling Kindersley

Dorling Kindersley - Die Suche nach dem idealen Buch

25 angehende Buchhändler und Medienkaufleute waren am 21. September 2010 in das beeindruckende Verlagsgebäude in der Arnulfstraße gekommen, um mehr über die deutsche Tochter des Londoner Unternehmens Dorling Kindersley Ltd. zu erfahren.

CLAUS Dorling Kindersley© Landesverband Bayern

Viele „Ahs“ und „Ohs“ waren zu hören, als die Azubis in den ausgestellten Büchern des Verlagsprogramms blätterten, vor allem die Pop-Up-Bücher sorgten dabei für Begeisterung.

Doris Giesemann, Vertriebs- und Marketingleiterin, gab einen Überblick über die Entstehung des Unternehmens Dorling Kindersley und des deutschen Tochterverlags. „Am Anfang war es hart. Als der Dorling Kindesley Verlag im Sommer 1999 in Starnberg gegründet wurde, befanden sich 90% der Lizenzen des laufenden Programms bei anderen deutschen Verlagen. Unter dem Buchstaben B fanden sich in unserem ersten Programm im Herbst 2000 ‚Barbie, Bibel, Bier und Bond’.“, so Giesemann. Erst nach und nach konnten die Lizenzen zurück erworben werden. Inzwischen ist Dorling Kindersley zu einem der erfolgsreichsten Sachbuchverlage in Deutschland geworden. Grund dafür ist laut Frau Giesemann das „vogelwilde Programm“ des Verlags. „Wir machen alles außer Belletristik – zumindest bis jetzt!“, erklärte die Vertriebsleiterin mit einem Lächeln.

Die Grundsätze sind, Wissen mit Spaß zu vermitteln, Inhalte einfach aber korrekt darzustellen und eine ideale Verbindung aus Bild und Text zu konzipieren. Das besondere dabei sei der 3,5 Millionen digitale Bilder und 70.000 Zeichnungen umfassende Fundus des Unternehmens, durch den teure Bildlizenzen gespart werden, eine wertvolle Grundlage bis heute!

Programmleiterin Monika Schlitzer erklärte, dass der Großteil der Bücher in England entstehe, dann aber in bis zu 45 Sprachen übersetzt in über 60 Ländern verlegt wird. Die „Eyewitness Travel Guides“ zum Beispiel, in Deutschland bekannt als „vis à vis“ Reiseführer, wurden gleichzeitig in 36 Sprachen veröffentlicht. Natürlich hat dabei jedes Land die Möglichkeit, individuelle Änderungen vorzunehmen, die dem eigenen Markt entsprechen. Das können ein neues Cover, eine andere Farbauswahl oder landesspezifische Unterschiede sein. „Gartenbücher müssen häufig aufgrund der Klimaunterschiede in den jeweiligen Ländern angepasst werden. Bei einem Erste-Hilfe-Buch hatten wir besondere Schwierigkeiten. Die stabile Seitenlage wird in Deutschland anders vorgenommen als in England. Deshalb mussten wir in Kooperation mit einem Team der Malteser ein eigenes Bild der deutschen Version der stabilen Seitenlage produzieren.“

Nur etwa 10 % der Bücher des Dorling Kindersley Verlags sind rein deutsche Produktionen, so z.B. die Backbücher der Autorin Annik Wecker. In einigen Fällen konnten diese sich auch auf dem internationalen Markt behaupten, wie der Fotoband „Regenwald“ des Schweizer Fotografen Thomas Marent.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei Dorling Kindersley auf ungewöhnlichen Kochbüchern. Als Monika Schlitzer den argentinischen Koch Chakall entdeckte, wusste sie sofort, dass der charismatische junge Mann in das Programm des Verlags passte. „Wir versuchen besondere Personen mit besonderer Küche zu vereinen.“ Dies gelang vor allem mit den Spitzentiteln von Starkoch Jamie Oliver, zu dessen neuem Buch „Jamies 30-Minuten-Menüs“ sich der Verlag etwas ganz Besonderes einfallen ließ. Ein 1,80 m großer Pappaufsteller soll in den Buchhandlungen auf das neue Werk des englischen Kochs aufmerksam machen. Eine Idee, von der die Azubis begeistert waren. Die zehn schönsten Aktionen zum Buch werden außerdem mit einem exklusiven Treffen mit Jamie Oliver prämiert.

CLAUS Dorling Kindersley Kuchen

Neben Ratgebern, Lexika, Fotobänden und Kochbüchern nehmen Kindersachbücher einen großen Teil des Programms ein. Dorling Kindersley steht auf Platz vier der erfolgreichsten Kindersachbuchverlage in Deutschland. Das verdankt der Verlag nicht zuletzt den erfolgreichen Kooperationen mit großen Marken wie LEGO und Disney.

Oft komme dem Kindersachbuch im Handel noch immer zu wenig Aufmerksamkeit zu, beklagte Doris Giesemann. „Viele Kinder lernen über Kindersachbücher das Lesen. Lange Geschichten sind ihnen häufig zu anstrengend, sie brauchen kurze Texte zu einem Thema, das sie interessiert. Das fördert die Lesefähigkeit, vor allem unter den Jungen. Egal ob Fußball, Weltraum, Ägypten oder Feen, jedes Kind interessiert sich für irgendein Thema!“

Programmleiterin Monika Schlitzer stellte an einigen Beispielen vor, wie ein Buch entsteht. Dabei gewährte sie den Azubis einen exklusiven Blick in ein laufendes Buchprojekt mit dem Starkoch Steffen Henssler, das im Frühjahr 2011 erscheinen soll. Besonders fasziniert waren die Zuhörer von den zahlreichen Schritten auf dem Weg zu einem fertigen Pop-Up-Buch, das bis zum Schluss mit viel Aufwand in Handarbeit hergestellt wird.
Schließlich gab Frau Giesemann noch einen Überblick über das aktuelle Programm, Veranstaltungen von Dorling Kindersley und gab Anregungen zur Präsentation im Buchhandel. Dabei wies sie auf das nahende Weihnachtsgeschäft hin, zu dem auch hochpreisige Bildbände gerne verschenkt werden.

Zum Schluss standen die Damen der Verlagsleitung den Azubis Rede und Antwort. Ein besonderes Interesse lag dabei auf den Besonderheiten der Betreuung eines Buchprojekts in einem internationalen Unternehmen. So wurde nach der Einheitlichkeit der Buchformate in den unterschiedlichen Ländern gefragt. Frau Giesemann erklärte, dass eine in England erfolgreiche Form wie das Paperback-Format im deutschen Markt weniger gut ankommt. Gerade Kochbücher würden deshalb in Deutschland stattdessen als Hardcover produziert, was jedoch nicht selten Probleme im Bezug auf Schriftgröße und Lesbarkeit nach sich zöge.

Der Abend klang in einer lockeren Gesprächsrunde aus, bei der die Auszubildenden die Mitarbeiter des Verlags besser kennen lernen konnten. Ein besonderes Highlight waren drei köstliche Kuchen, gebacken von der Autorin Annik Wecker, die regelmäßig für das Café Ringelnatz in München Kuchen und Torten anfertigt. Ihre weiße Trüffeltarte mit Himbeeren ist dort längst Kult und sorgte auch bei den Azubis für Begeisterung. Die Rezepte zu den süßen Leckerein konnten die CLAUS-Mitglieder in den beiliegenden Kochbüchern nachlesen.