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Kultur & Lesen

Geschwister-Scholl-Preis

Sinn und Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Landeshauptstadt München seit 1980 vergeben und ist mit € 10.000, - dotiert.

Ausgezeichnet wird ein Buch, das im Jahr der Preisverleihung oder im Jahr davor erschienen ist. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Der Kulturausschuss der Stadt und der Vorstand des Verbands entscheiden über die Vergabe des Preises auf Vorschlag einer Fachjury. Wer den Geschwister-Scholl-Preis 2019 erhält, geben wir Anfang Oktober bekannt.

Der Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München (13. November bis 1. Dezember 2019) vergeben. Die Preisverleihung findet am 25. November 2019 in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität statt (nur mit Einladung). Am 26. November 2019 ist eine öffentliche Lesung in der Buchhandlung Lehmkuhl geplant.

Geschwister Scholl-Preis 2019 an Ahmet Altan

Für sein Buch «Ich werde die Welt nie wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis» (S. Fischer) wird Ahmet Altan mit dem 40. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

In der Jury-Begründung heißt es:
"Seit dem Sommer 2016 befindet sich der türkische Schriftsteller und Journalist Ahmet Altan in Haft. Am 16. Februar 2018 wurde er, in einem zweifelhaften Gerichtsverfahren, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Anklage ist der Auffassung, Ahmet Altan habe den Putschversuch gegen die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan unterstützt, und zwar durch die angebliche ‚Verbreitung einer unterschwelligen Botschaft‘.

Mit dem politisch motivierten Urteil wurde ein kritischer Kommentator des Geschehens in der Türkei seiner Freiheit beraubt. Ahmet Altan hat wiederholt deutlich Position mit Blick auf die Lage der Kurden bezogen, ebenso in der Auseinandersetzung mit dem Genozid an den Armeniern. Sein Schicksal ist leider beispielhaft für die Situation vieler unabhängiger Journalistinnen und Journalisten in zunehmend autoritären oder auch diktatorischen Gesellschaften.

In seinem Buch Ich werde die Welt nie wiedersehen erzählt Ahmet Altan von seinen Erfahrungen in der Untersuchungshaft, im Gerichtssaal und schließlich im Gefängnis. Er schildert seine Begegnungen mit den Polizisten, die ihn verhaften, mit dem Staatsanwalt, der keinerlei Beweise für seine Anklage vorlegen kann, und mit den Richtern. Ebenso porträtiert er seine Mitgefangenen im ‚Käfig‘, in der überfüllten Zelle im Untersuchungsgefängnis. [...]“

Der vollständige Text der Jury-Begründung sowie das vollständige Archiv des Geschwister-Scholl-Preises mit allen Reden der letzten 39 Jahre ist zu finden unter www.geschwister-scholl-preis.de.

 

Impressionen von der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 2018 an Götz Aly