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Kultur & Lesen

Geschwister-Scholl-Preis

Sinn und Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben. Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit der Landeshauptstadt München seit 1980 vergeben und ist mit € 10.000,- dotiert.

Ausgezeichnet wird ein Buch, das im Jahr der Preisverleihung oder im Jahr davor erschienen ist. Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Der Kulturausschuss der Stadt und der Vorstand des Verbands entscheiden über die Vergabe des Preises auf Vorschlag einer Fachjury. Die Preisträgerin oder der Preisträger wird in der Regel Anfang Oktober bekanntgegeben.

Die Verleihung des Preises 2021 in der großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München (Geschlossene Veranstaltung) wurde auf den 9. Mai 2022 verschoben.

Geschwister Scholl-Preis 2021 an Joe Sacco

Für sein Buch »Wir gehören dem Land« (Edition Moderne) wird Joe Sacco mit dem 42. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

Jurybegründung:

„Von München, New York, Montreal oder Portland (Oregon) aus gesehen leben die Dene am Ende der Welt, in bis heute kaum mit Straßen erschlossenen Gegenden der Nordwest-Territorien Kanadas. Die Dene selbst sehen sich mitten in einer Welt leben, von der sie sich nicht abgrenzen, wenn sie dazu nicht gezwungen werden. Das zeigt schon ihr Name: Dene heißt einfach Volk. Der deutsche Titel von Joe Saccos Buch bringt ihre Weltsicht auf eine Formel, die wie ein Bekenntnis aussieht, aber für die Dene eine Selbstverständlichkeit ausdrückt: ‚Wir gehören dem Land‘. Diese Ansicht ist das Gegenteil des Besitzindividualismus, mit dem die weißen Europäer und ihre Abkömmlinge in Übersee seit Jahrhunderten rechtfertigen, dass sie ihren Einflussbereich über die gesamte Erdoberfläche ausdehnen und die von ihnen vorgefundenen Völker zur Anpassung nötigen oder verdrängen. Das durch Bearbeitung des Landes geschaffene Privateigentum macht zu seinem Schutz die Aufteilung der Welt in Staaten notwendig: So hat der englische Philosoph John Locke den Kolonialismus begründet. In der Sicht der Dene kehrt diese Lizenz zur Ausbeutung und Privatisierung die natürlichen Verhältnisse um. Um sich und ihre Kinder so zu versorgen, wie sie es von ihren Vorfahren gelernt haben, sind sie auf Zusammenarbeit angewiesen, mit dem Land und miteinander. Man entnimmt dem Land, was man zum Leben braucht, und muss ihm dafür etwas zurückzahlen. So sagt es Saccos Originaltitel: ‚Paying the Land‘...“

Der vollständige Text der Jury-Begründung sowie das vollständige Archiv des Geschwister-Scholl-Preises mit allen Reden der letzten 40 Jahre ist zu finden unter www.geschwister-scholl-preis.de.

 

Impressionen von der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 2019 an Ahmet Altan